Lange Nacht der Opern und Theater - mit Handicaps

Die 1. Lange Nacht der Opern und Theater am 25. April 2009 war der Versuch, mehr Menschen für das Berliner Kulturleben zu begeistern. Unter den rund 20.000 BesucherInnen befanden sich auch vier RollstuhlfahrerInnen und ein Hörgeschädigter mit den Abgeordneten Alice Ströver und Jasenka Villbrandt.
Bei diesem einzigartigen Event hätte man sich eine uneingeschränkte Teilnahme aller Menschen gewünscht. Deshalb haben die Bündnis 90/Die Grünen zusammen mit den Behinderten in einer Aktion auf dieSchwierigkeiten eines Kulturbesuchs für Menschen mit Behinderungen aufmerksam gemacht.
Leider musste die Gruppe feststellen, dass das Programm der Kulturhäuser oft einen Besuch für Menschen mit Behinderungen ausschloss. Ein barrierefreier Zugang war lediglich bei 18 der 50 teilnehmenden Häuser möglich. 22 Bühnen verfügen immerhin über ein behindertengerechtes WC.
Über beide Kriterien verfügte die Staatsoper Unter den Linden, die wir als erstes besuchten. Doch die Höhepunkte aus Mozarts Zauberflöte waren leider für die Rollstuhlfahrer aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse, meist nur zu hören, während Hörgeschädigte die Szenen lediglich sehen konnte. Es waren keine Anlagen für Hörbehinderte vorhanden.
Das Staatsballett Berlin lud im Magazingebäude kurz darauf zu einer Probe des Stücks "Giselle" ein. Wie zuvor in der Staatsoper hatten RollstuhlfahrerInnen mit schlechter Sicht zu kämpfen.
Im Anschluss war ein Besuch der Komischen Oper geplant. Einlass fand die Gruppe beim Pförtner in einer Nebenstraße. Das Programm stand unter dem Motto "Viva Verdi". Die MusikerInnen standen leider im Foyer in der ersten Etage, das für die RollstuhlfahrerInnen nicht erreichbar war.
Zum Abschluss besuchte die Gruppe den Admiralspalast und kam in den Genuss einer Kostprobe des Musicals "The Producers". Barrierefrei war auch diese Veranstaltung für einen Teil der Gruppe nicht - diese hatte sich dann auf den Heimweg gemacht.
Das Fazit: Trotz trotz der Bemühungen des Bühnenpersonals konnte es für viele Menschen nur eine kurze Nacht der Opern und Theater werden. Immer noch existieren in öffentlichen Kultureinrichtungen der Stadt Barrieren für Menschen mit Behinderungen. Barrieren, die einen uneingeschränkten Kunstgenuss unmöglich machen. Berlin hat noch einen weiten Weg zu einer barrierefreien Stadt vor sich. Am 10. April 2010 bietet sich die Möglichkeit, die 2. Nacht der Opern und Theater für alle Menschen dieser Stadt zu einer langen Nacht werden zu lassen.


