Für eine aktive Erinnerungspolitik!

Mit der Fraktion in der Gedenkstätte Hohenschönhausen
Mit der Fraktion in der Gedenkstätte Hohenschönhausen

Berlin ist ein Jahrhundert lang Zentrum und Symbol dramatischer gesellschaftlicher Prozesse gewesen. Die Geschichte in enger Anbindung an die authentischen Orte zu gestalten und erfahrbar zu machen sowie die Erinnerung an die beiden deutschen Diktaturen wach zu halten, war und ist zentrales Anliegen meiner Politik. Deswegen engagiere ich mich neben meinen parlamentarischen Aktivitäten zu dem Thema im Vorstand des Fördervereins der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen e. V. und bin Initiatorin der Veranstaltungsreihe „Schön war die Zeit ... ?" Aufklären statt verklären: Alltag und Unrecht in der DDR“.

Gedenken an den Nationalsozialismus ist gesamtstaatliche Aufgabe

In Berlin finden sich die zentralen Orte des nationalsozialistischen Terrorregimes. Diese authentischen Orte sind der sichtbare Ausgangspunkt für eine aktive Erinnerungspolitik. Nach Jahrzehnten der Verdrängung oder Ignoranz wurden im Westteil Berlins erst seit den 70er Jahren die bedeutenden Orte des NS-Regimes überhaupt wieder als Dokumentations- und Erinnerungsorte entwickelt und akzeptiert. 60 Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur ist die Gestaltung dieser Orte noch immer nicht abgeschlossen. Doch so wichtig diese tatsächlichen Stätten des Geschehens sind, vermittelt sich aus dem einzelnen Ort doch nicht die gesamte Geschichte. Daher setze ich mich für eine Weiterentwicklung der Gedenkstätten untereinander auch über Berlin hinaus ein. Mein Ziel ist eine Vernetzung aller überregional bedeutenden Orte und die gemeinsame Verantwortung dafür beim Bund, dem Land Berlin und allen anderen Ländern.

Mehr zum Thema:

07.01.09 Antrag: 90. Jahrestag der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht: Leben und Werk kritisch würdigen

Pressemeldung: Stasi - Terror darf nicht relativiert werden

03 Antrag: Die Gedenkstätten – Finanzierung ist die gemeinsame Aufgabe vom Bund und allen Ländern

 

Das Gedenken an die Teilung Berlins gestalten

Auftaktveranstaltung der Grünen DDR-Veranstaltungsreihe
Auftaktveranstaltung der Grünen DDR-Veranstaltungsreihe

Die Erinnerung an die deutsche Teilung und die Mauer durch Berlin muss in erster Linie über die Ausgestaltung der authentischen Orte erfolgen. Daneben ist es aber vor allem wichtig, sich den Orten zuzuwenden, die für das gesamte staatliche Unrecht des SED-Staates stehen. Daher ist historische Aufgabe nicht, ein Museum des Kalten Krieges einzurichten, sondern das Erinnern an die Machtstrukturen und deren Verantwortlichen in der ehemaligen DDR wach zu halten.
Bisher fehlt eine übergeordnete Einordnung und Bewertung der einzelnen Erinnerungsorte. Deswegen ist endlich ein vernünftiges Konzept für die Gedenkstätte Hohenschönhausen als dem Ort, an dem Menschen für ihre andere Haltung zum System persönlich gelitten haben, nötig. Aber auch die Ausstellung in der ehemaligen Stasizentrale Normannenstrasse muss ausgebaut werden. Diese Aufgaben sind allerdings nicht von Berlin allein zu bewältigen, sondern müssen von allen Ländern und dem Bund als gesamtstaatliche Verpflichtung gemeinsam entwickelt und finanziell getragen werden.Bezogen auf das Mauergedenken in Berlin sind eine Reihe von Maßnahmen auch als Teil des Mauergedenkkonzeptes des Senats schnellstmöglich anzugehen:
Wichtigstes Ziel ist es, den nächsten und übernächsten Generationen diesen zwar kurzen Zeitraum der Geschichte der Stadt, der aber von so weitreichender Bedeutung war, zusammenhängend zu erklären und im zeithistorischen Kontext zu erläutern.
Da nur ein Prozent der ehemaligen innerstädtischen Mauer noch vorhanden ist, sind diese Mauerreste und Grenzanlagenbestandteile vollständig unter Denkmalschutz zu stellen und zu erhalten. Der innerstädtische doppelreihige Pflastersteinstreifen muss endlich in ganzer Länge realisiert und durch dokumentarisches Material verständlicher gemacht werden.
Die Dokumentations- und Gedenkstätte Bernauer Strasse muss als zentrale Berliner Mauergedenkstätte weiterentwickelt werden. In der Bernauer Strasse selbst soll die Grenzsituation als dem längsten noch vorhandenen Teilstück der Grenzanlage erfahrbar gemacht werden. Um das tatsächliche Ausmaß der innerstädtischen Grenzanlagen besser nachvollziehen zu können, sollten die noch vorhandenen Bestandteile wieder an ihren ursprünglichen Ort verbracht werden. Ergänzt werden muss dieses Teilstück durch sachgerechte Informationen im Außenbereich. In der Dokumentationsstätte soll insbesondere auch die Erinnerung an individuelle Schicksale verdeutlicht werden. Nicht am Checkpoint Charlie, sondern in dieser Straße sind Menschen aus den Fenstern der direkt an der Grenze stehenden Häuser gesprungen und mussten dies mit dem Leben bezahlen. Hier gab es aber auch gelungene Fluchtgeschichten, die es zu dokumentieren gilt.

Broschüre "Berliner Mauerstreifzüge"

Die Broschüre ist unser grüner Beitrag zum Umgang mit der Erinnerung an die Mauer und bietet wichtiges dokumentarisches Anschauungsmaterial zur Stadtgeschichte und der politischen Auseinandersetzung zum Umgang mit der Mauer vor. Durch geführte Radtouren auf dem ehemaligen Mauerstreifen wird Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes erfahrbar!

Die Broschüre können sie kostenlos bestellen oder herunterladen