Warum und wie die Berliner Bibliothekslandschaft reformiert werden muss

Ein Plädoyer für Berlins stärkste Kultureinrichtungen

Eigentlich müssten die öffentlichen Bibliotheken Berlins von allen anderen Kultureinrichtungen beneidet werden: Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) und die zwölf bezirklichen Öffentlichen Bibliotheken haben zusammen mehr BesucherInnen als alle anderen Kultur- und Bildungseinrichtungen. Während in vielen Häusern die Auslastungszahlen in den Keller rutschen, steigt die Nachfrage nach ausleihbaren Medien seit Jahren kontinuierlich.

Trotz dieser Zahlen sind die Bibliotheken seit Jahren das Stiefkind der Politik: Die Etats für Medienerwerb, Personal und sonstige Sachausgaben sinken in jeder Haushaltsrunde, viele Standorte wurden gar ersatzlos geschlossen.

Zur Unterfinanzierung kommt der strukturelle Reformstau: Seit Jahren mangelt es an zentraler Entwicklungs- und Steuerungsleistung, die Landesverantwortung und bezirkliche Eigenständigkeit sinnvoll und zukunftsfähig miteinander verknüpft. Gesamtstädtische Standortplanung und Öffentlichkeitsarbeit, einheitliche Leistungs- und Qualitätsstandards, ressourcensparende Verwaltungssynergien zwischen den Häusern – all diese und viele weitere notwendige Reformschritte hängen seit Jahren in der Warteschleife.

Gleichzeitig sind auch die Bibliotheken gefordert, ihre Leistungen an die gesellschaftlichen Entwicklungen und die Bedürfnisse vor Ort anzupassen. Die Bibliothek von heute muss über die Kernaufgabe der Medienausleihe hinaus kundenorientiertes Informations- und Servicezentrum sowie Bildungsort sein. Sie muss sich konsequent in Richtung Kitas, Schulen, Hochschulen und anderer Bildungseinrichtungen öffnen. Insbesondere in sogenannten Problemkiezen mit hohem Migrantenanteil muss sie auch integrative Funktionen erfüllen. Nicht zuletzt gilt es, mit der multimedialen Entwicklung Schritt zu halten, um auch für ein junges Publikum attraktiv zu sein.

Ich habe mich daher in der Debatte für das Modell einer langfristigen Zusammenführung der öffentlichen Berliner Bibliotheken unter dem Dach einer Landesstiftung unter Beteiligung der Bezirke ausgesprochen. Die einzelnen Bibliotheken wären in diesem Modell die maßgeblichen Kräfte, die Innovation vor Ort vollziehen – die zentrale Organisation unterstützt und fördert diese Prozesse und setzt Anreize. Sie entwickelt Qualitätsstandards, optimiert Geschäftsabläufe und ruft Kooperationsmodelle mit Dritten ins Leben. Mit diesem Modell wäre eine stabile Basis geschaffen, um eine neue Nutzungsphilosophie inklusive einer visionären Ausrichtung zu konzipieren und in die Realität zu überführen So könnte die Abwärtsspirale in der öffentlichen Bibliothekslandschaft endlich gestoppt und der Fokus auf das gerichtet werden, was die Berlinerinnen und Berliner wollen: Ein flächendeckendes, attraktives und modernes Bibliotheksangebot, in dem sich die einzelnen Häuser als Knotenpunkte des kommunalen Kultur- und Bildungsnetzes verstehen.

 

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